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In den letzten zehn Jahren wurden, insbesondere in der Volksrepublik China und der Mongolei, zahlreiche neue Fossilfunde gemacht, die den Übergang von fleischfressenden Dinosauriern (Theropoden) zu den Vögeln dokumentieren. Besonders bedeutend sind die Ablagerungen der Unterkretazischen Yixian–Formation in der nordostchinesischen Provinz Liaoning. Dort gelang es nicht nur, eine ganze Reihe neuer primitiver Vögel wie Confuciusornis zu finden, sondern auch mehrere Gattungen fleischfressender Dinosaurier, die bereits ein Federkleid besaßen. Die Funde dokumentieren mehrere Evolutionsstufen in der Entwicklung vom Dinosaurier zum Vogel. So besitzen viele der fleischfressenden Dinosaurier, wie der mit Compsognathus aus dem Solnhofener Plattenkalk verwandte Sinosauropteryx, oder der Tyrannosaurus–verwandte Dilong paradoxus nur einfache, unzerteilte „Protofedern“, die ein wenig wie Haare aussehen und wohl hauptsächlich dazu dienten, den Körper warmzuhalten. Andere Saurier wiederum, die den Vögeln verwandtschaftlich bereits näher stehen, haben bereits echte „Vogelfedern“. Hierzu gehören unter anderem der vierflügelige Microraptor, ein Verwandter des „Schreckenkrallensauriers“ Deinonychus, und Caudipteyx, ein früher Vertreter der sogenannten Oviraptorosaurier. Die Oviraptorosaurier, die man nur aus der Kreide von Asien und Nordamerika kennt, sind eine Gruppe von Theropoden die in vielerlei Hinsicht sehr an Vögel erinnern. Merkmale im Schädel und im Bau der Wirbelsäule, ebenso wie das durch neue Funde aus der Mongolei dokumentierte vogelähnliche Brutverhalten und das Vorhandensein von vogeltypischen Federn bei Caudipteryx veranlassen manche Wisssenschaftler dazu, diese Saurier als bereits zu den Vögeln gehörende, sekundär flugunfähige Formen zu betrachten. Daß bereits bei frühen Vögeln mehrfach die Flugfähigkeit wieder verlorenging zeigt beispielsweise der fischfressende, im Habitus taucher– oder kormoranartige Hesperornis aus der Oberkreide der USA. Die Oviraptoren gehören zu den wenigen Dinosauriern, von denen wir nicht nur Eier sondern sogar ganze Nester kennen. In einigen Fällen fand man die brütenden Alttiere –vermutlich die Männchen– noch in vogelartiger Brutstellung auf dem Nest sitzend. Offenbar wurden die Tiere Opfer plötzlicher Sandstürme und blieben auf ihren Nestern hocken um ihren Nachwuchs zu schützen. Ein Oviraptorenei aus der Mongolei enthielt auch Reste eines Embryos. Nun liegen aus der ostchinesischen Provinz Guangdong weitere Funde vor. Zwei Eier eines Nestes, das größtenteils beim Brückenbau zerstört wurde, konnten gerettet und in die Sammlung des von Burkhard Pohl geleiteten Wyoming Dinosaur Center in Thermopolis, Wyoming verbracht werden. Die Schwierige Präparation gelang der Firma Imhof mit Unterstützung durch Computertomographien von Prof. Alexander Flisch in Zürich. Die Eier wurden von Vertretern der wenig bekannten Oviraptorengattung Ingenia gelegt. Einer der Embryonen besitzt einen vollständigen, vorzüglich erhaltenen Schädel, wie er so bei dieser Gattung noch nie gefunden wurde. Auffallend ist die gute Verknöcherung sowohl des Schädels als auch der Extremitätenknochen. Gleich nach dem Schlüpfen konnten sich die kleinen Oviraptoren vermutlich bereits blendend fortbewegen. Eine derartig frühe Verknöcherung so vieler Skelettelemente findet sich auch heute noch bei Vögeln, die typische Nestflüchter sind, ein solches verhalten ist daher auch für die Oviraptoren der Gattung Ingenia anzunehmen. Michael Maisch |