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Nachdem die Suche nach dem neuen Eldorado in Laos ja nicht eben sehr erfolgreich verlaufen war, beschloss ich das Prospektionsgebiet etwas mehr in den Nordwesten zu verlegen. 1997 ist in Burma das Jahr des Tourismus mit allen möglichen Erleichterungen für Reisende in diesem ja nicht gerade besonders beliebten Reiseland. Wohl in keinem anderen Land der Erde stehen aber so viele goldbeladene Tempel wie in Burma. Eine der beliebtesten Tätigkeiten der frommen Buddhisten in Burma ist nämlich das Aufkleben von Blattgold auf Buddha Statuen. So kleben allein an der Buddha-Statue im Maha Muni Tempel in Mandalay mehrere Tonnen Gold, und es wird täglich eifrig weiter geklebt. In den Flüssen im Norden des Landes liegen denn auch beträchtliche Goldablagerungen. Infolge des Bürgerkrieges können diese Vorkommen erst seit wenigen Jahren ausgebeutet werden. Ein wahres Eldorado also, das nur auf seine Entdeckung wartet.
Voller guten Mutes führte ich die Keene Super Folding Sluice also einmal mehr spazieren um den halben Erdball. Aufmunternde Warnungen von anderen Freunden, die infolge der wenig ausgebauten medizinischen Infrastruktur alle möglichen Krankheiten und Infektionen z.T. notfallmässig im benachbarten Thailand behandeln mussten, begleiteten mich. Drei Tage nach der Abreise landete ich in Myitkyina, der zweitletzten Reiseetappe vor meinem Ziel Putao ganz im Norden des Landes. Hier, umgeben von bis zu 6000m hohen Gebirgszügen liegt das sog. zweite Switzerland mit den besten goldführenden Gewässern. In Myitkyina aber war denn auch meine Reise vorerst zu Ende. Vor einigen Monaten hatte ein Goldsucher in der Nähe von Putao einen sagenhaften Bach entdeckt, in dem die 42 gr. Disentis Nuggets scheinbar alles andere als selten waren, und füllte sich seine Taschen wie seinerzeit die Golddiggers in Kalifornien. Leider blieb der Fund aber wie bei General Sutter auch nicht lange geheim. Dies hatte zur Folge, dass sich Einzelreisende seit ein paar Monaten nur noch mit staatlichem Führer und teils Militäreskorte auf vorgeschriebenen Wegen in dieser Gegend bewegen dürfen. Dies für ein bescheidenes Entgelt von täglich rund 90U$. Ich dürfe aber gerne hinfliegen und vom Flugplatz aus die Gegend betrachten, das Flughafengelände aber nicht verlassen, lautete das grosszügige Angebot der Behörde. Oder ich könne in Rangoon, 1500 km südlich, wo ich doch eben herkam, eine Spezialbewilligung holen, um in oben beschriebener Art herumzureisen. Dies hätte bestenfalls 4 Tage gedauert. Tja, da stand ich nun, nach all der Planung und Organisation, mit meinem burmesischen Goldsucherkollegen, der vor Ort über beste Kenntnisse verfügt, und kam als Ausländer nicht mehr weiter. Sich zu ärgern brachte wenig. Polizei, Einwanderungsbehörde, Flugpersonal, alle wollten gerne helfen, aber gegen Weisungen aus Rangoon war eben nichts zu machen, nicht mal mit überzeugenden Argumenten wie Dollarscheinen.
Auch um Myitkyina sah man aber viele Goldsucher im Irrawadi River an der Arbeit. Tagesausbeute: 70 Rappen(!), was in etwa dem Tageslohn eines Strassenbauarbeiters entspricht. Derartige Aussichten lösten in mir begreiflicherweise nicht gerade unnatürliche Begeisterungstürme aus. Meine Schleuse stiess in den Bächen jeweils auf grosses Interesse, die Fotos des Schweizergoldes auf ungläubiges Staunen. Die Bilder bestätigten damit, dass in der Schweiz jeder, sogar ein Goldsucher, reich ist. Als Sluicebox werden hier rockerähnliche Bambusgestelle verwendet, in die man aufgeschnittene Bananenblätter legt, in deren wabenähnlicher, relativ harter Blattstruktur das puderfeine Gold hängen bleibt. Gewonnen wird es mit Quecksilber. Alle Goldsucher wissen zwar, dass Quecksilber irgendwie gefährlich ist, aber bisher sei ihnen ja noch nichts passiert und eine andere Möglichkeit hätten sie ohnehin nicht. Um die Ausbeute rentabler zu gestalten, hat eine Firma begonnen, mit einer einfachen hausgemachten Klondike - Dredgekopie den Fluss auszubaggern. Hier vernehme ich auch, dass ca. 80 km flussaufwärts weitere Goldsucher an der Arbeit seien. Über eine absolut stossdämpfermordende Schlaglochpiste ging's mit einem alten Mazda Pickup (Benzinverbrauch 25 l/100km und 3 Pannenstopps unterwegs) also soweit wie möglich flussaufwärts. Anschliessend musste ich ein Versorgungsboot chartern, um die Goldsucher im ehemaligen Guerillagebiet zu erreichen. Hier allerdings sah die Ausbeute anders aus: ca. 8 gr waren im Tag in oben beschriebener Art zu holen. Sagenhaft viel für die Goldsucher hier. Meine Ankunft führte bei derartigen Erfolgen denn auch nur zu einem kurzen Unterbruch der Tätigkeit der ca. 50 Frauen und Männer. Denn wer weiss, wann die Regierung plötzlich die Sandbank für den Verkauf an potentielle ausländische Investoren sperrt und die Leute vertreibt. Feine dunkle Blacksandschichten durchzogen die Ablagerungen. Hier lag das Gold in bis zu 2 mm grossen sehr dünnen Flitterchen in Menge und liess das Herz des Napfgoldsuchers mindestens eine Oktav höher schlagen. Ohne Zelt, Moskitonetz, Verpflegung, Schlafsack usw. musste ich aber nach wenigen Stunden den Rückweg antreten. Nach allen Erfahrungen bisher hatte ich nie mit derartig reichen Vorkommen gerechnet. Schade. Mit blutendem Herzen. Jeder, der seine Stelle vor einem Gewitter oder weils zu dunkel wurde verlassen musste, eben als die Flitter zu leuchten begannen, fühlt mit mir. Tja, wenn der Irrawadi nur etwas mehr in der Nähe wäre. Leider waren auch meine Tage in Burma mittlerweile gezählt, so dass ich nicht mehr zu der Stelle zurückkehren konnte. Aber Leute, „if you like to strike it rich, well...”, wenn man sich nicht vor allerlei behördlicher Schikanen scheut und die nötige Abenteuerlust mitbringt, dann liesse sich in Burma schon ein nettes Souvenir holen. Ein Mitarbeiter eines amerikanischen Goldsucherkonzerns jedenfalls, den ich in Rangoon traf, lächelte nur müde bei meiner Erzählung. Da gebe es Stellen, die wirklich kalifornische Verhältnisse aufwiesen. Nur komme man als Einzelperson leider kaum hin. Roland Brunner |