Die Smaragdlagerstätten Kolumbiens

Vortrag von Frank Elsner , vom 23. Oktober 2009

 

Bus nach Chivor
Bus nach Chivor


Kolumbien ist bei Mineraliensammlern und Gemmologen bekannt für die hohe Qualität seiner Smaragde. Die Smaragdfundstellen Kolumbiens liegen in einem Gürtel ca. 70-110 km nördlich bis nordöstlich von Bogotá, der Hauptstadt Kolumbiens. Die Hauptorte (Mzuo, Chivor, Gachala, etc.) sind gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Bussen) zu erreichen. Die Fahrt von Bogotá dauert allerdings 5-9 Stunden, abhängig auch von den aktuellen Strassenverhältnissen. Denn nicht alle Streckenabschnitte sind asphaltiert.


Muzo
Blick auf Muzo

Der Smaragdabbau geht schon auf prähkolumbianische Zeit zurück. Im 16. Jh. entdeckten die spanischen Konquistadoren die Smaragdlagerstätten in Kolumbien und begannen mit deren Ausbeutung. Es folgten wechselhafte Jahrhunderte. Minen wurden wieder aufgegeben und deren Lage geriet in Vergessenheit. Anfang des 20. Jh. wurden alte Fundstellen wiederentdeckt und eine neue Abbauperiode begann. Das 20. Jh. war allerdings auch durch Gewalt und unsichere Verhältnisse gekennzeichnet. Aus dieser Zeit resultiert der vielfach schlechte Ruf dieser Gegend. Erst zu Ende des 20. Jh. (1990er Jahre) trat eine Befriedung der Gegend ein. Die verfeindeten Gruppen schlossen unter Vermittlung der Kirche ein Friedensabkommen.

Minen von Muzo
Das Minengelände von Muzo

Die grossen Minengesellschaften sind vielfach Konsortien einzelner Eigentümer. In dessen Minen wird mit grossem technischem Einsatz nach Smaragden gesucht. Die Schächte erreichen Tiefen von 100m. Daneben gibt es auch kleinere Gruppen von vielleicht 5 Bergleuten, die kleiner Grubenbaue bearbeiten. Die Stollen werden im Sprengvortrieb in den Berg gebaut.

Guaqueros
Guaqueros ("Schatzsucher") bei der Arbeit in Muzo

Speziell in Muzo gibt es zusätzlich noch "Guaqueros" ("Schatzsucher"). Sie durchsuchen den Abraum der Minen und die Flusssedimente nach Smaragden. Dies ist ein sehr mühseliges und i.a. wenig erfolgreiches Geschäft. Die Blütezeit hatten die Guaqueros in den 80er Jahren des 20. Jh. Zu dieser Zeit wurden die Berge im Tagebau mit Bulldozern abgetragen. Diese Abbaumethode war für die Minenbesitzer allerdings zu unrentabel. Daher wird heutzutage ausschliesslich Untertage nach Smaragden gesucht. Ausserhalb der Minen von Muzo sind Guaqueros nicht geduldet. Dennoch habe ich auch in Chivor und Coscuez einige Gruppen angetroffen.

Smaragdhändler (Aufkäufer) in La Playa (Minen v. Muzo)
Smaragdhändler (Aufkäufer) in “La Playa” (Minen v. Muzo)

Die meisten Smaragde, insbesondere aus den grossen Minen, gelangen direkt nach Bogotá, in die Zentralen der Minengesellschaften. Sie werden meist direkt mit dem Helikopter von den Minen ausgeflogen. Nur ein geringer Teil, meist auch von geringerer Qualität, wird schon vor Ort gehandelt. Dabei handelt es sich um das Material der Guaqueros und von einzelnen Bergarbeitern, denen es gelungen ist, einige Steine aus den Minen zu schmuggeln. Zu den Minen von Muzo, Coscuez und La Pita kommen jeden Morgen Aufkäufer aus den umliegenden Ortschaften, teilweise auch aus Bogotá und entfernteren Gegenden. Sie kaufen die Ware auf, um sie dann, meist in Bogotá, weiter zu verkaufen. Wobei der Weg dieser Smaragde i.a. nicht so geradlinig verläuft. Meist gibt es eine ganze Kette von Händlern und Zwischenhändlern, bevor die Steinen bei einem Edelsteinschleifer oder einem Juwelier, z.B. in Bogotá, landen. Auch in Bogotá hat sich ein Strassenhandel für Smaragde etabliert. In der Av. Jeminez/ Ecke Cr. 7 treffen sich wochentags jeden Vormittag Händler und das Treiben setzt sich hier fort…

Smaragdhändler in Bogotá
Smaragdhändler in Bogotá

Da der fast ausschliessliche Abnehmer der Smaragde der internationale Schmuckhandel ist, wird beim Abbau wenig Wert auf schöne Kristalle oder Mineralstufen gelegt, wie es sich der Mineraliensammler wünschen würde. Gute Smaragdstufen sind daher selten. Da die Bergleute und Händler aber erkannt haben, dass auch für Mineralstufen (“Gangas” im örtlichen Jargon) eine Nachfrage existiert, werden vielfach auch Fälschungen angeboten: Kristalle, die auf Gestein aufgeklebt werden. Die Fälschungen sind oft so gut gemacht, dass es selbst für Fachleute schwer ist, sie ohne aufwendige Untersuchungstechniken als solche zu erkennen.

Für interessierte Reisende bietet die Smaragdregion Kolumbiens faszinierende Eindrücke in eine spezielle Welt. Wer bereit ist, auf den gewohnten touristischen Komfort zu verzichten, trifft schnell auf freundliche und hilfsbereite Menschen und kann sich ein Bild vom Leben auf dem Lande in Kolumbien machen.

Frank Elsner
(Fotos: Frank Elsner)

 

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